Bachelorthesis - The Green, Guest House

Ein Beitrag für die, die es interessiert, über meine Bachelorarbeit im Fach Innenarchitektur.

Mein Thema war eine alte, denkmalgeschützte Turnhalle in Trier, die ich in ein Boutique Hotel verwandelt habe.

Historie

Die Turnhalle am Grüneberg 27, liegt im Stadtteil Trier- Kürenz außerhalb der geschlossenen Bebauung, am Fuße des Grünebergs, und wurde 1926 vom Turnverein Jahn in Auftrag gegeben.

Noch vor dem Jahre 1960 schenkte der Turnverein Jahn die Halle der Stadt Trier, in der Hoffnung, dass diese sich um den Erhalt der Halle kümmern würde. Die im neoklassizistischen Stil gebaute Halle steht zudem unter Denkmalschutz.

Der Platz vor der Halle diente bis 1946 Als Ascheplatz für den FSV Kürenz. Bis 1975 spielten die Schwarz-Weißen dann noch auf dem Platz an der denkmalgeschützten Turnhalle, ehe dieser für Meisterschaftsspiele gesperrt wurde.

Nun erstreckt sich eine große Rasenfläche vor dem Aufgang zur Turnhalle. Hinter der Halle liegt bewaldetes Gebiet.

2014 Wurde die Halle letzten Endes von der Stadt Trier wegen Schimmelbefalls geschlossen.


Konzept Rückzugsort

Eine zweite Heimat ohne Alltagsstress

Die Sorgen, der Stress, die Kinder, der Haushalt, die Arbeit - All das sind Faktoren, die viele Menschen im heutigen schnellen und vor allem auch digitalen Zeitalter oft täglich zu bewältigen haben. Viele wünschen sich einfach mal eine kleine Auszeit, nur für ein paar Tage. Etwas Ruhiges, ganz Exklusives und vielleicht auch die Verbindung zur Natur, um von der digitalen Welt und dem Alltagstrott einmal wegzukommen. Einfach alles kann in der heutigen Welt Stress verursachen, der häufig auch zu Burnouts führen kann.

Um all das einmal hinter sich zu lassen, gibt es das #TheGreen. Nicht etwa im Schwarzwald oder in den idyllischen Alpen gelegen, aber dafür in der ältesten Stadt Deutschlands und einem bekannten Weinanbaugebiet; Trier im Moseltal.

Das kleine privatgeführte Gasthaus liegt außerhalb der Stadtmitte auf dem Grüneberg, welcher seinen Namen von dem dort vorkommenden Diabas (Grünstein), einem marmorähnlichen grünlichen Vulkangestein hat. Trotz der Lage ist es aber mit Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen. Es verfügt über neun großzügig geschnittene Zimmer im verspiegeltem Neubau, eine Lobbybar mit unverwechselbarem Ambiente, welche Elemente aus der Zeit des Art Deco aufgreift, sowie einem kleinem Restaurant für Frühstück und Abendessen. Die Bar und das Restaurant haben zu bestimmten Tagen und Zeiten auch für Gäste von außerhalb geöffnet, jedoch muss vorher reserviert werden. Im Restaurant werden weitestgehend regionale und saisonale Produkte verarbeitet um die Bauern aus der Region zu unterstützen. Vor dem Gasthaus gab es einst eine große Rasenfläche, welche ein ehemaliger Sportplatz war. Diese wird nun zum Teil für den Eigenanbau von Obst- und Gemüse verwendet. Gäste können bei Interesse mithelfen oder sich je nach Jahreszeit einen Korb mit Obst und Gemüse zusammenstellen und diesen erwerben. Auf dem übrigen Teil des Vorplatzes befinden sich die Parkplätze und eine kleine Teichanlage mit Terrasse.

Durch die Nähe zu den Mosel-Weinanbaugebieten werden auch Weinbergsführungen oder Verkostungen von lokalen Winzern angeboten, die entweder als privates Event im Gasthaus stattfinden oder an denen Gäste oder auch Externe an bestimmten Terminen teilnehmen können.

Die Umgebung erlaubt es, sowohl die Stadt Trier mit all ihren Sehenswürdigkeiten zu besuchen, als auch Spaziergänge und Ausflüge in der #Moselregion und in den umliegenden Weinbergen zu machen. Auch der nahegelegene Kürenzer Schlosspark oder das Kloster Bethanien sind ein schönes und nahes Ausflugsziel. Im Kürenzer Kloster wird heute eine Hostienbäckerei betrieben; zusätzlich betrieben die Schwestern bis vor wenigen Jahrzehnten eine ausgedehnte Landwirtschaft.

Der Name “The Green” leitet sich nicht nur von der Lage ab, sondern rundum dreht sich alles ums Grüne und darum die “Natur” mit allen Sinnen zu erleben.

Die Lobby dient nicht nur als Eingangsbereich, sondern stellt sogleich auch Aufenthaltsort und eine Art Wohnzimmer dar. Durch Kunst an den Wänden und großzügige Sofas, aber auch durch die angenehme Beleuchtung ist es den Gästen möglich ein Buch zu lesen oder es sich bei einer Tasse Kaffe oder Tee in einem der Sofas gemütlich zu machen. So wie man es eben auch zu Hause tun würde. Nur ohne Alltag. Durch die geringe Anzahl der Zimmer bietet das Hotel einen Ort der Ruhe, da kein Trubel aufkommen kann, wie es oft in den großen Hotels in der Stadt der Fall ist.


Alle neun Zimmer befinden sich im verspiegelten, dreistöckigem Anbau. Sie bieten bodentiefe Fenster, welche den Blick auf die grüne Umgebung freigeben und so die Natur ins Zimmer holen.Der Anbau greift durch die Vertiefungen in der Fassade den Stil des Neoklassizistischen wieder auf. Die asymmetrisch angeordneten Fenster stehen dazu im Kontrast. Durch seine Verspiegelung verschwindet der Anbau nahezu in seiner Umgebung.

Materialanalyse & Bezug zum Art Déco

Die alte Bausubstanz, die das „The Green“ umgibt, in denen sich einst die Turnhalle am Grüneberg befand, stammt aus dem Jahr 1926.

Um diesen Bezug auch in einem neuen Kontext darzustellen entschied ich mich für die Verwendung von Materialien aus der Zeit des Art déco. Auch die Möblierung, teils selbstentworfen, spielt mit ihrem Retrocharme auf die Zeit der 1920er an.

Damals verwendete Materialien waren unter anderem: Marmor, Samt, Kupfer, Chrom, Elfenbein, Silber, Messing/Gold und edle Hölzer wie Ebenholz, Nussbaum oder Eiche.

Die dominierenden Farben im Entwurf sind ein dunkles Graugrün, blass- dunkles Petrol und Karminrot. Grau- und Beigetöne bilden die Grundstimmung der Räumlichkeiten.

Der weiße fugenlos verlegte Marmor im Rezeptions- und Barbereich trifft auf dunkle Petrolgrüne Wände. Messingelemente strahlen trotz der metallischen Beschaffenheit Wärme auf Grund ihrer Farbe aus.

Die Kombination aus kühlen Blau- und Grüntönen, mit kalten Elementen wie Marmor, Glas, Lack und Metall trifft auf warme Farben wie Karminrot und Beige, sowie auf atmosphärische Stoffe: Samt und satinierte Baumwolle mit Pflanzenmustern. Helle, fließende leinartige Stoffe werden für Vorhänge und Rollos verwendet um das Licht hineinzulassen und Leichtigkeit zu erzeugen.

Das Muster der Trenn- und Brüstungselemente findet sich vereinzelt in anderer Form wieder. So besitzt die Tapete von Christian Fischbacher im 1.OG Flur ein ähnliches Muster. Auch die Stoffpaneele an der Treppe entsprechen den Rundungen des Musters.

Durch die große Höhe und Fläche des Raumes können akustische Maßnahmen nicht umgangen werden. Aus diesem Grund viel bei fast allen Materialien die Wahl auf schallabsorbierende Materialien.

Die Teppichbereiche in Lobby und Restaurant sind mit #PureWool 2600 von #ObjectCarpet ausgestattet. Dieser Teppich weist sowohl einen gewerblichen Strapazierwert nach EN1307 auf, als auch einen bewerteten Schallabsorptionsgrad gemäß ISO354. Er ist zudem rutschhemmend nach EN14041 und sein Brandverhalten nach EN13 501 entspricht Bfl -s1. Die Treppenstufen und Flure sind mit gewerblich strak strapazierbaren Teppich Eden Roc von Object Carpet und #MatheoThun ausgestattet. Auch dieser weist ein sehr gutes Brandverhalten (Cfl -S1) auf und hat ebenfalls einen bewerteten Schallabsorptionsgrad.

Die Polster an der Treppe sind mit Akustikschaumstoff gefüllt und nehmen so beispielsweise bis zu 88% des Schalls bei 315 Hz auf.

Zwei große Vorhangschals links und rechts neben der Rezeption sind aus dem leinenartigen Stoff ALEX von #CréationBaumann, der zusätzlich hinterfüttert wird. Dieser besitzt ohne Fütterung einen Schallabsorptionsgrad von αw 0,80 und ist zudem schwerentflammbar.

Ein regulärer Vorhang hingegen weist einen Schallabsorptionsgrad von αw 0,40 auf.Sämtliche verwendete Bezugs-, Deko- und Vorhangstoffe von Création Baumann und #Casamance sind extrem scheuerbeständig (von 60000 bis 80000 Scheuertouren) und somit für den öffentlichen Gebrauch geeignet.

BDIA Ausgezeichnet - Bund Deutscher Innenarchitekten

Für meine Bachelorthesis wurde ich vom Bund Deutscher Innenarchitekten ausgezeichnet und in der Architekturzeitschrift AIT (Ausgabe April 2019) veröffentlicht. Die Begründung für meine Auszeichnung waren:

  • Stimmiges Gesamtkonzept

  • Behutsame, sehr harmonische Materialauswahl

  • Sinnliches Ambiente

  • In gutem Dialog mit dem Bestand



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