If it scares you, just do it! - Wie ich es schaffe meine Ängste zu überwinden

Aktualisiert: Jan 21

Jeder Mensch hat vor etwas Angst. Leider leiden Manche unter größeren Ängsten und manche Ängste beeinträchtigen unser Leben und unsere Leistungsfähigkeit oder schwächen unser Selbstbewusstsein.

#ceepcalmlilli

Auch ich habe Ängste - Plural. Manche davon sind für viele von euch vielleicht nicht nachvollziehbar, weil es für euch etwas ist, was banal oder einfach zu sein scheint. Bei vielen Dingen weiß ich auch gar nicht so genau, wo überhaupt die Angst davor herkommt und kann es nur vermuten. Allerdings ist genau das das Wichtigste. Herauszufinden wieso man so viel Angst vor etwas hat, worin der Ursprung liegt oder was genau diese Angst vielleicht einmal in einer bestimmten Situation ausgelöst hat.


Ich habe zum Beispiel Angst vorm Autofahren (lernen), vor großen Höhen, vor Schlangen, vor Prüfungen und vor allem vor dem Telefonieren mit fremden Menschen.


All diese Ängste sind tragbar, jedoch behindern sie mich teilweise im Alltag und sind mir oft auch peinlich. So ist es mir zum Beispiel immer unangenehm zu erzählen, dass ich mit 24 noch immer keinen Führerschein habe. Dabei gibt es so viele Menschen, die genau so alt oder älter sind und ihn auch nicht haben. Grade in unserer modernen Gesellschaft ist das überhaupt nichts Schlimmes und wenn man in einer großen Stadt wohnt, auch überhaupt kein Problem, denn auch mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln ist ja alles zu erreichen. Doch manchmal braucht man einfach ein Auto oder es tritt eine Situation ein, die es erfordert Autofahren zu können.

So hatte ich beispielsweise in meinem Praxissemester öfter den Fall, dass ich etwas besorgen oder abholen sollte und das dann recht umständlich mit der Bahn oder dem Fahrrad machen musste, oder mich sogar jemand fahren/begleiten musste. Das war mir immer sehr unangenehm.


"Ich denke, das ist etwas vor dem sich sehr viele Menschen fürchten: Das Versagen."

Was der Grund für meine Angst vor dem Autofahren ist? So ganz genau weiß ich das nicht, aber ich vermute es ist eine Mischung aus meiner Prüfungsangst und meiner viel zu lebendigen Fantasie, wenn ich Nachrichten lese oder schaue. Auch die Angst zu Versagen kommt natürlich dazu. Ich denke, das ist Etwas vor dem sich sehr viele Menschen fürchten: Das Versagen. Dabei ist das ja nichts Schlimmes. Dann macht man es eben noch einmal und dann noch einmal, wenn es nicht beim ersten Mal klappt. Aber unangenehm ist es trotzdem, weil man sich immer denkt: "Was denken bloss die Anderen jetzt von mir. Halten die mich für blöd?".

Ich habe dreimal in 6 Jahren meinen Führerschein angefangen und ihn nie beendet. Am Anfang habe ich mich nicht mal in den Theorieunterricht getraut, aus Angst die Älteste zu sein und komisch angesehen zu werden. Alles Unsinn. Habe ich dann festgestellt als ich mich endlich mal dazu überwinden konnte und in die Fahrschule gegangen bin. Damit ich den "weiten Weg" nicht als Ausrede nutzen konnte, habe ich mir eine Fahrschule direkt in der Nähe meiner Wohnung gesucht, an der ich jeden Tag vorbeigelaufen bin. Bei jedem Vorbeilaufen habe ich überlegt, ob ich reingehen soll und habe es dann an einem guten Tag letztendlich gewagt. Es war auch überhaupt nicht so schlimm, wie ich mir das vorgestellt habe und abends beim ersten Theorieunterricht, habe ich gemerkt, dass ich erstens nicht die Älteste bin, zweitens Alles gar nicht so schwer ist und es mir drittens sogar ein bisschen Spaß macht.


Nachdem der erste Schritt geschafft war, lief es quasi von allein. Natürlich gab es Hochs und Tiefs und Tage an denen ich nicht hinwollte. Die letzte Theoriestunde war schnell überstanden. Doch dann kam die nächste Hürde: Die Theorieprüfung. Die habe ich letzte Woche erfolgreich bestanden. Allerdings hat es circa ein halbes Jahr gedauert, bis ich es mal übers Herz gebracht habe mich dafür anzumelden und die Übungs- App fertig zu machen. Mein Problem war einfach, dass ich selbst für den Termin zuständig war. Und solange es keinen fixen Termin für die Prüfung gab, habe ich es vor mir hergeschoben. Gerade bei dem Thema Führerschein hat es mir oft der Druck, den Familie und Freunde ausgeübt haben, weil sie alle das Beste für mich wollten, nicht leicht gemacht. Ich bin ein Mensch, der unter Druck eher trotzig wird und es noch weniger machen möchte. Also habe ich alle gebeten mich bezüglich des Themas einfach selbst machen zu lassen.


Der Umzug nach Irland und mein abgeschlossenes Studium gaben mir in den letzten Wochen viel Zeit, in der ich mich mit mir selbst beschäftigte und das führte dazu, dass ich einfach die App beendete und mich am selben Tag noch von meinem Fahrlehrer für die Prüfung anmelden ließ. Dann plante ich einen Trip nach Trier und konnte alles nach diesem Termin ausrichten. Bei der Praxis fehlt mir jetzt auch nicht mehr viel und beim nächsten Deutschland-Trip, gehts dann hoffentlich in den Endspurt!


Was ich damit sagen möchte: Manchmal hilft es einfach, sich eine Deadline zu setzen, um sich selbst nicht länger vor Dingen zu drücken, die man als unangenehm empfindet. Auch selbstgestellte Deadlines können Wunder wirken. So kann man sich etappenweise kleinere Deadlines setzen, beispielsweise bei einer Prüfung oder der Vorbereitung auf ein Jobinterview. Man nimmt sich jeden Tag ein wenig vor, wie z.B. am Mi, 22.05. bis 17Uhr habe ich alle Unterlagen zusammengesucht und bereitgelegt. Und so weiter. Jeder abgehakte Schritt stärkt das Selbstbewusstsein und hilft sich nach und nach auf den Tag vorzubereiten, der einem solche Angst bereitet.




Das Klingeln eines Telefons – für die meisten Menschen eine vollkommen alltägliche Situation im Beruf. Nicht für mich.

Auch das Thema Telefonieren mit fremdem Menschen ist eine Angst, die ich schon als Kind hatte und nie überwunden habe. Besonders jetzt, im Zeitalter von WhatsApp, Emails und Online-Buchungen, fällt es mir umso schwerer überhaupt noch zu telefonieren. Ich habe mal erfahren, dass die Angst vor dem Telefonieren auch eine Art Sozialphobie ist. Das heißt aber nicht, dass die Angst vor dem Telefonieren bedeutet, dass die betroffene Person generell Probleme damit hat, mit fremden Menschen zu kommunizieren.


Eine Telefon-Phobie haben circa 2- 3% der deutschen Bevölkerung und es gibt drei Arten:

  • die Angst, den Hörer abzunehmen

  • die Angst, jemanden anzurufen

  • eine Mischung aus beidem

Bei mir trifft Letzteres zu. Ich habe sowohl Angst fremde Leute anzurufen, als auch ranzugehen, wenn mich eine unbekannte Nummer anruft. Die Ängste die ich dabei habe sind z.B.:

  • Angst, vom Gesprächspartner nicht verstanden zu werden

  • Angst, die wichtigen Infos nicht zu erfassen

  • Angst, sich zu verhaspeln

  • Angst, dass der Gesprächspartner schlecht über einen denkt

Lange Zeit hat mir das Telefonieren so viel Angst gemacht, dass ich wirklich den ganzen Tag gestresst war, wenn ich wusste ich muss jemanden anrufen und habe es dann so lange es ging vor mir hergeschoben. Besonders schlimm war es und ist es auch heute noch, wenn andere Menschen mit im Raum sind und mir beim Telefonieren zuhören. Logischerweise, ist dann die Angst sich zu blamieren, noch größer als ohnehin schon.


Ich konnte mich in der Vergangenheit immer ganz gut vor solchen Situationen schützen, indem ich das Telefonieren weitestgehend vermieden habe oder einen Freund/Bekannten gebeten habe für mich anzurufen. Musste ich einen Arzttermin oder ähnliches ausmachen, bin ich häufig lieber vorbeigegangen um es persönlich zu machen. Im Büro ging das dann allerdings nicht mehr so einfach. Anrufe kommen rein, Anrufe müssen getätigt werden. Und man möchte ja auch nicht als Mimose dastehen. Und einfach nicht anrufen oder rangehen und eine Email schreiben, war oft nicht möglich.


Also habe ich angefangen mir eine Taktik zu überlegen, die mir das Telefonieren erleichtert.

Musste ich also einen Anruf tätigen oder wusste, dass im Laufe des Tages jemand Bestimmtes anruft, habe ich mich ausreichend vorbereitet. Ich habe mir den Namen aufgeschrieben, das Thema um das es ging, gewisse Fragen vorformuliert bzw. Stichwörter aufgeschrieben, um nicht den Faden zu verlieren und habe mir Angaben notiert, die der Anrufer evtl. wissen möchte, wie bestimmte Daten etc.. Auch habe ich mir immer Stift und Papier bereitgelegt und den Kalendar oder die Akte am PC geöffnet um einen direkten Überblick zu haben.


Eins meiner häufigsten Probleme ist, dass ich meistens so nervös bin, dass ich meinen Gesprächspartner nicht richtig verstehe. Natürlich ist manchmal auch die Verbindung oder die Aussprache daran Schuld, jedoch war es mir immer unangenehm nachzufragen, wenn ich beispielsweise den Namen nicht richtig verstanden habe und habe dann oft einfach darauf verzichtet zu fragen, was natürlich nicht gut war. Ich musste mir schlichtweg einfach angewöhnen, dass es nicht schlimm ist nachzufragen, wenn etwas unklar ist.

Scheue dich nicht davor, noch einmal nachzuhaken. Das zeugt nicht nur von Interesse, sondern auch von einer gründlichen Arbeitsweise. Denn es hilft niemandem, wenn man nach dem Telefonat noch immer offene Punkte auf der Liste hat oder nicht alle Fragen eindeutig geklärt wurden.


Manchmal muss man sich solcher Dinge erstmal bewusst werden und sich dann trauen es einfach zu machen. Oft bemerkt man dann, dass es überhaupt nicht schlimm war und man sich völlig grundlos gefürchtet hat.


Ich habe zwar immer noch etwas Angst vor dem Telefonieren, aber ich schaue inzwischen einfach, dass ich mich ausreichend vorbereite und dass ich bestenfalls alleine bin oder mich an einen Ort zurückziehe, wo ich einigermaßen ungestört bin. Inzwischen muss ich auch auf Englisch telefonieren und da verstehe ich oft auch mal gar nichts, was der irische Postbeamte oder Pizzabote von mir will. Aber da ich ja auch was von ihm möchte, muss ich einfach nochmal nachfragen. Oft merken sie dann auch, dass ich ihren Dialekt nicht verstehe und reden langsamer und deutlicher, schenken mir ein Lächeln, wenn ich sie dann treffe und dann ist alles gut. Keiner fühlt sich gerne blöd, aber noch unangenehmer ist es, wenn man aufgelegt hat und nicht weiß was gerade passiert ist, da man sich nicht getraut hat nachzufragen.


Mein Tipp ist daher:

Finde raus, wieso dir etwas Angst macht und kannst du es nicht rausfinden, dann überlege dir Strategien, die es dir leichter machen könnten. Vermeiden ist keine Option, manchmal muss man es einfach machen, um zu merken, dass es gar nicht so schlimm ist.

Natürlich funktioniert das nicht bei allen Ängsten so und ich bin auch keine Psychologin oder Therapeutin und kann auch nicht garantieren, dass meine Tipps euch weiterbringen. Aber mir haben sie geholfen und ich hoffe, ich konnte euch in irgendeiner Weise auch damit helfen, sei es nur, dass ihr euch nicht ganz alleingelassen damit fühlt.

Denn jeder hat Ängste und nicht jeder kann sie so leicht überwinden. #ceepcalmlilli


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